Lagebild zum Hackerangriff auf Telekomgeräte

Unsere Partner von der FU Berlin im Projekt RiskViz haben zum aktuellen Angriff auf die Router der Telekom ein detailliertes Lagebild erstellt. Nach den USA ist Deutschland am Häufigsten betroffen. Details des Lagebildes und weitere Karten können bei der FU eingesehen werden.

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Quelle: Freie Universität Berlin/scadacs.org

Pizzaseminar am 27.01.2012 - Evaluierung politischer Programme durch die Analyse des Terrorismusrisikos in einer Gesellschaft

Am Freitag den 27.01.2012 um 12 Uhr c. t., wird Carsten Mueller, Ökonom und Mitarbeiter im Thüringer Innenministerium, einen Vortrag zu dem Thema „Evaluierung politischer Programme durch die Analyse des Terrorismusrisikos in einer Gesellschaft“ halten, in dem es um die Ermittlung der Wahrscheinlichkeiten von Terroranschlägen in Nationalstaaten geht.

Die Ökonomie hat sich der Erklärung terroristischen Verhaltens schon mehrfach genähert. Ganzheitliche Ansätze sind jedoch selten, obgleich extremistisches Gewaltverhalten zumeist von sehr vielschichtigen Faktoren beeinflusst zu sein scheint. Carsten Mueller versucht, von dem einzelnen Attentat zu abstrahieren und ein Instrument zur Messung der Wahrscheinlichkeiten mithilfe kriminologischer Methoden zu entwickeln. Als Untersuchungsgegenstand werden Nationalstaaten herangezogen.

Carsten Mueller promoviert arbeitet an seiner Promotion zum Vortragsthema und ist Lehrbeauftragter an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung. Neben seiner Laufbahn im Polizeidienst hat er ein Diplom in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie Verwaltungswissenschaft erworben und einen Master in Kriminologie. Sein Schwerpunkt liegt auf der ökonomischen Erklärung von Extremismus und Terrorismus.

Um Anmeldung wird gebeten.

Evaluierung politischer Programme durch die Analyse des Terrorismusrisikos in einer Gesellschaft

Die Ökonomie hat sich der Erklärung terroristischen Verhaltens schon mehrfach genähert. Nach anfänglichen Erfolgen in der Erklärung von gewaltsamen extremistischen Verhalten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts blieben die Untersuchungen jedoch weitgehend auf die Bewährung einzelner Zusammenhänge beschränkt. Ganzheitliche Ansätze sind selten, obgleich extremistisches Gewaltverhalten zumeist von sehr vielschichtigen Faktoren beeinflusst scheint. Zumeist stellt sich nicht die Frage, warum eine terroristische Organisation zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem bestimmten Land entstanden ist, sondern warum es unter nahezu identischen Bedingungen in anderen Ländern solche Entwicklungen nicht gab. Es provoziert geradezu, einen ganzheitlichen Ansatz der Terrorismusbetrachtung zu unternehmen, um geeignete staatliche Präventionsmodelle zu untersuchen.

Meine Arbeit versucht, von dem einzelnen Attentat zu abstrahieren und ein Instrument zur Messung der Wahrscheinlichkeiten zu entwickeln. Als Untersuchungsgegenstand werden Nationalstaaten herangezogen. Diese sind in ihrem Aufbau, ihrer Bevölkerung, ihrer Regierungsform, ihrer Wirtschaftskraft und ihren sozialen und kulturellen Traditionen - um nur einige Punkte zu nennen - sehr unterschiedlich. Sie werden durch die in ihnen lebenden Menschen und deren Verständnis des gesellschaftlichen Miteinanders geprägt. Dem gegenüber stehen unterschiedliche Arten des Terrorismus als Bedrohungsformen. Gemeinsam ist dem Terrorismus dabei, dass er eine Art des Ausdrucks einer extremistischen Position einiger Menschen gegenüber der vergesellschafteten Meinungsnorm ist. Möchte man die Gründe für Terrorismus analysieren, ist es daher zunächst erforderlich, ein Instrument zu finden, das die Unterschiede von individualistischem Verhalten in verschiedenen Gesellschaften ganzheitlich abbilden kann. Extremismus ist dabei eine Form der Devianz vom gesellschaftlichen Mainstream. Grundlage meines Forschungsansatzes bildet aus diesem Grund die Ermittlung der gesellschaftsimmanenten Devianz, die zum gewaltsamen Extremismus führen kann.

Die Kriminologie verfügt über ein Werkzeug zur Analyse von gesellschaftlich abweichendem Verhalten. Diese Methodik der idealtypisch-vergleichenden Einzelfallanalyse (MIVEA) wurde zur Ermittlung einer konfliktfeldspezifischen Wahrscheinlichkeitsmessung ausgebaut. Für das Ergebnis ist die Genauigkeit und Qualität der Ausgangswerte wesentlich. Staaten sind international durch ihre sozioökonomischen Faktoren beschrieben und bewertet. Viele zwischenstaatliche Vergleiche basieren auf den errechneten Werten. Die verfügbaren Daten können allerdings nur einen Ausgangspunkt bilden. Grundlage einer terroristischen Länderanalyse sollten bewertbare sozioökonomische Faktoren sein, die strikt nach dem Potential der Entstehung einer gewaltbereiten extremistischen Position auszuwählen sind.

Im Kontext meiner Dissertation ist dies der wesentliche Bestandteil der Entwicklung eines ganzheitlichen Berechnungsmodells zur Ermittlung der Wahrscheinlichkeit von Terroranschlägen in Nationalstaaten.